Die Spider Murphy Gang
oder der Wahnsinn auf Tournee

20 Jahre nach ihrem Hit feiert die Spider Murphy Gang weiterhin Erfolge. Ausverkaufte Hallen oder Festzelte und immernoch mehr als 60 Konzerte im Jahr. Oft sind die Konzertbesucher jünger als die Single "Skandal im Sperrbezirk" und ohne Übertreibung kann man die Band als einen der besten deutschsprachigen Live-Acts bezeichnen. Die Band verbreitet eine Stimmung die jeden begeistert, Party pur.
Die Spider Murphy Gang ist und bleibt eine Live-Band. Fast 30 Jahre Bühnenerfahrung, das ist das Geheimniss der Band. Günther, Barny und Co. haben ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. Schon oft habe ich gezittert hinter dem Mischpult und mich gefragt ob dieses Konzert wohl gut gehen würde. War es 1980 in Stuttgart als nur 3 Personen im Publikum waren, oder war es 1982 in der Dortmunder Westfalenhalle bei "Rock-Pop in Concert", als über 15.000 Leute anwesend waren.
BAP spielte vor uns in der Westfalenhalle, also ein Heimspiel und die Halle tobte, es schien keine Steigerung mehr möglich. -Umbau-ich stand hinter einem Mischpult das eher der Ausstattung einer Raumfähre glich als dem was ich gewohnt war. Schweißgebadet stand ich da und wartete bis die Spiders auf die Bühne kamen und das vermeintliche Unglück zu beginnen drohte. Aber es kam anders. Trotz der ungewohnten Technik, welche noch von der am Vortag spielenden Band ZZ Top kam, und trotz der unübersehbaren Menschenmasse spielte die Band wie junge Götter.
15.000 Menschen sangen jeden Text mit, versuchten so gut es ging bayrisch zu tönen und alle tanzten. Die Halle kochte wie ich es nie zuvor erlebte. Die englischen Techniker verstanden die Welt nicht mehr. Waren sie doch Erfolg gewohnt mit den Bands am Vortag wie Status Quo, aber so etwas hatten auch sie noch nicht erlebt. Beim Abbau sahen wir die Techniker von Status Quo und ZZ Top nur den Kopf schütteln und sich fragen "who the fuck is spider murphy gang".
Von den Gründungsmitgliedern sind heute nur noch Barny und Günther übrig. 1987 verläßt Michael Busse die Band, 1992 geht auch Franz Trojan. Als ich 1978 als Techniker bei der Band anfing, spielten sie in Clubs, Discotheken und auf Stadtfesten. Das war nicht immer einfach. Als Band war man damals ohne Rechte, da man um jedes Engagement froh sein musste. Oft mussten wir in den Discotheken sogar unsere Getränke selbst bezahlen. Doch Günther als Bandleader managte die Gruppe genial. Er träumte nie von dem grossen Durchbruch wie es bei anderen Bands üblich war, sondern stellte damals schon die Band auf eine solide finanzielle Grundlage.
Dadurch dass wir jeden Sonntag und Montag im Münchner "Memoland" auftraten hatten wir schon feste Einnahmen. Wir kamen damals so auf 15 Konzerte im Monat und hatten ein vergleichbares Einkommen wie ein Arbeiter. Im Memoland haben wir dann am Nachmittag, wenn die Anlage für den Abend bereits stand, Demos aufgenommen. Ich habe einfach einen Kassettenrecorder an das Live-Mischpult gehängt, und die Band hat drauflos gespielt. Mit diesen Aufnahmen haben wir dann letztendlich einen Plattenvertrag bekommen. Als das Memoland dann wegen Streitereien mit dem Besitzer und dem Pächter des Memolands schließen mußte, spielten wir jeden Sonntag in der "Alten Burg", danach in der Drehleier. Als mich ein Freund aus Bad Waldsee einmal in München besuchen wollte, verwechselte er die "Drehleier" mit dem "Leierkasten", einem stadtbekannten Bordell. Am Eingang fragten er die Dame, ob es denn ein Programm gäbe und sie antwortete, dass er nach oben kommen solle, dort würde ihm schon ein Programm geboten.
Als wir 1980 zu den Aufnahmen zu "Rock'n'Roll Schuah" nach Köln kamen, wollten wir zum Essen gehen. Wir sahen aber wahrscheinlich so wild aus, daß die Bedienung sagte, sie habe Anweisung uns nicht zu bedienen. Das Restaurant gehörte Alfred Biolek, der damals bei Bios Bahnhof viele Rockgruppen vorstellte. Die schönste Zeit war eigentlich 1981. Wir machten schon kleine Tourneen und oft spielten wir in Orten die nur 100 km auseinanderlagen. Die erste Platte verkaufte sich gut und wir hatten schon einen kleinen Bekanntheitsgrad. Da daß wir keine weiten Strecken fahren mussten, konnten wir Nachts noch lange zusammen feiern und am nächsten Tag lange ausschlafen.
Das schlimmste Jahr für mich war eigentlich 1982. Skandal wurde zum Hit und es gab nur noch wichtige Leute um uns herum. Typisch war, daß wenn wir nach dem Konzert in die Gaderoben kamen, war das ganze Catering von den vielen wichtigen Presseleuten schon niedergemacht. Die Crew die noch abbauen musste, hatte meistens nichts mehr zu essen. Die Band wurde von einem Termin zum anderen herumgereicht und unsere gemütlichen Partys nahmen ein jähes Ende. Auch die Musiker waren plötzlich in einer anderen Welt, nur Günther behielt mit seiner ruhigen Art die Füße auf dem Boden. Als dann 1983 Michael Verhöfen noch den Kinofilm drehte, war nur noch Hektig angesagt. Die Plattenfirma wollte neues Material, und der Kinofilm kostete viel Zeit. Die Band musste Promotion für den Film machen, neue Stücke schreiben und Konzerte spielen. Nur die DDR-Tour 1983 war lustig. Wir fühlten uns wie die Amerikaner im Nachkriegs-Deutschland. Wir
haben uns keine Gedanken um die Politik gemacht sondern erstaunt den real existierenden Sozialismus bewundert.

 

 

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