Tommy James & The Shondells


Das in Dayton, Ohio, lebende Ehepaar Belle und Claude J. Jackson bestritt seinen Lebensunterhalt mit Jobs in der Hotelbranche. Man verdiente dabei nicht schlecht und so konnte man sich Nachwuchs leisten. Am Dienstag, den 29. April 1947 wurde ihnen mit Thomas Gregory Jackson ein niedlicher kleiner Sohn geboren, der der "Augenstern" seiner stolzen Eltern war und daher 1951 von ihnen gar zu einer Präsentation von Kindermoden "ausgeliehen" wurde. Thomas gefiel es zwar, auf einer Bühne zu stehen; als Metier dafür stellte er sich jedoch etwas ganz anderes vor. Er war geradezu verrückt nach Musik und wünschte sich schon damals von ganzem Herzen, einmal Songs vor einem großen Publikum zu interpretieren. Einen ersten Schritt näher kam er diesem Ziel dadurch, daß Belle und Claude ihm im folgenden Jahr eine Ukulele schenkten, die er dann jeden Tag stundenlang bearbeitete.Mit der aufkommenden Rock & Roll-Bewegung wurde er jedoch immer unzufriedener mit seinem Instrument. Statt darauf weiter zu üben, erschien es ihm sinnvoller, durch das intensive "Studium" der Schallplatten von Chuck Berry, Little Richard, den Everly Brothers und Buddy Holly seine Künste als Komponist zu entwickeln. "Wenn ich groß bin, werde ich ein Rock & Roll Star... Glaubt es mir nur, Leute!"1957 zogen die Jacksons nach Monroe um, weil Tommys Eltern dort das Eugene Hotel leiten sollten. Während einer der hier regelmäßig stattfindenden Samstagnachmittags-Kinovorstellungen, die Tom regelmäßig besuchte, lernte er mit dem ein Jahr älteren Dave Wangnoss einen neuen Freund kennen, bei dem er häufig übernachtete. Daves Eltern besaßen eine Farm und was Tommy vor allem faszinierte, war, daß dessen Vater eine Gitarre besaß. Dave: "Bei uns hat Tommy seine ersten Gitarren-Akkorde eingeübt. Mein Vater lebt nicht mehr, aber er hat mir seine Gitarre hinterlassen. Es ist immerhin die Gitarre, auf der Tommy angefangen hat, das Spielen zu erlernen. Ich hab‘ sie noch und ließ sie vor einiger Zeit extra nochmal überholen."Eine eigene Gitarre kaufte Thomas sich kurze Zeit später im gegenüber vom Eugene Hotel liegenden Laden der Monroe Music Company. Sie war damals noch größer als er selbst. Im gleichen Jahr fand dann auch im lokalen Kino von Monroe ein Talentwettbewerb statt, an dem er teilnahm und den er tatsächlich gewann, was ihn wiederum für die Mitwirkung am regionalen Contest in Rockford qualifizierte. Auch aus diesem ging der kleine Tommy siegreich hervor.1959 stand ein weiterer Umzug nach Niles im Bundesstaat Michigan an, weil Claude einen höher dotierten Job im Nachtdienst eines Hotels der Nachbarstadt South Bend angeboten bekam. Auch Belle konnte sich dort mit der Übernahme einer Bürotätigkeit finanziell nochmals erheblich verbessern. Man bezog eine Wohnung am Broadway von Niles zwischen der 13. und 14. Straße, wo ebenfalls Tom’s Onkel, Tante und eine Cousine lebten. Er freundete sich mit einer Clique von 5 bis 6 Jungens an und betrieb, weil sie es alle taten, viel Sport in dieser Zeit; allerdings mit lausigem Erfolg. Seine Neigungen waren eben weit mehr auf musikalischem Gebiet angesiedelt.Also gründete er nebenher seine erste eigene Band, die er "Tom & The Tornados" nannte. Sie bestand aus gleichgesinnten Kumpels, die er an der Highschool kennengelernt hatte. Die Combo erreichte schnell ein beachtliches Niveau und hatte ständig gut besuchte Auftritte in der gesamten Region. 1962 wurde ihnen daher vom regionalen "Northway Sound Records"-Label bereits die Möglichkeit gegeben, mit "Long Pony Tail" eine eigene Single einzuspielen, die sich allerdings nur innerhalb der Bewohnerschaft der drei nächstgelegenen Wohnblocks in Niles einigermaßen verkaufte. 1963 benannte man sich in "The Shondells" um und ergatterte über die Vermittlung eines von der Band begeisterten DJs einen Deal mit der in Michigan neu gegründeten Plattenfirma "Snap Records". Diese buchte bei der WNIL Radio Station in Niles ein Studio und ließ ihre neue Errungenschaft dort 4 Songs einspielen. Einer der Titel war die Jeff Barry/Ellie Greenwich-Komposition "Hanky Panky", für die man sich als erste Single-A-Seite entschied. Die Platte landete zwar in Michigan, Indiana, Illinois und Ohio in den Charts sowie in allen dort aufgestellten Jukeboxen, sie scheiterte national betrachtet aber kläglich. Die Band vergaß also ihre Schallplattenambitionen ebenso schnell wieder wie sie aufgetaucht waren, und Tommy konzentrierte sich erst einmal völlig auf seinen Highschool-Abschluß, den er 1965 denn auch erfolgreich hinlegte. Anschließend gingen die Shondells für ein knappes halbes Jahr auf Tournee durch die nähere Provinz und kehrten schließlich gegen Weihnachten resigniert nach Niles zurück, um sich wegen dauernder Erfolglosigkeit aufzulösen.In der Zwischenzeit hatten sich jedoch einige Dinge ereignet, die für die Band und ihren Leader nicht vorhersehbar waren: Der "Garagen"-Sound, in dem "Hanky Panky" zwei Jahre zuvor eingespielt worden war, wurde zur internationalen Modeerscheinung. Er galt als hip und seine führenden Protagonisten wie z.B. die englischen "Troggs" machten mit Titeln wie "Wild Thing" eine weltweite Karriere. Außerdem konnte niemand ahnen, daß der Radiodiscjokey Bobby Mack aus Pittsburgh nicht nur Spaß daran hatte, die ihm zugeschickten Promo-Platten zu präsentieren, sondern auch gerne auf Grabbeltischen in Supermärkten nach von anderen unbeachteten Schätzen suchte. Auf diese Weise war ihm die inzwischen dort gelandete Single "Hanky Panky" der Sholdells in die Hände gefallen, und sie gefiel ihm. Er nahm sie in sein Programm auf und die Resonanz des Pittsburgher Publikums war gewaltig. Die Scheibe stieg in der örtlichen Hitparade auf Platz 1, worüber Tommy völlig überrascht telefonisch von einem dort ortsansässigen Promoter in Kenntnis gesetzt wurde, der die "Shondells" für Auftritte verpflichten wollte.Obwohl er gar keine Band mehr besaß, war Tom dreist genug, das Angebot anzunehmen. Er griff sich in Pittsburgh einfach die erstbeste Kapelle, die ihm bei einem Nachtausflug unterkam als Begleitband, - die "Raconteurs". Deren Mitglieder waren zunächst durchaus bereit, eine Umbenennung in "Shondells" mitzumachen. Es handelte sich um Als es Tommy jedoch gelang, das "Hanky Panky"-Master zwei Wochen später an "Roulette Records" in New York zu verkaufen, die Aufnahme zum größten Sommerhit 1966 ( No. 1 in den nationalen Billboard Charts) wurde, das gleichnamige Album in knapp vier Wochen Goldstatus errang und schnell Pläne für eine Nachfolge-Single reiften, stiegen einige der "Raconteurs" wieder aus, weil ihnen eine Profikarriere zu riskant war. Das Line Up der "Shondells" für "Say I Am (What I Am)", das im Spätsommer 1966 erschien, sah also schon wieder ganz anders aus, hatte dann allerdings bis 1970 festen Bestand und ist als das klassische anzusehen:Festzustellen ist an dieser Stelle außerdem noch, daß an "Hanky Panky" nicht nur "Roulette Records" verdient hatte, sondern auch eine Plattenfirma namens "Red Fox", bei der es gleichzeitig unter obskuren Umständen als Bootleg erschien.Leider erreichte "Say I Am (What I Am)" nur Platz 21 und so entschloß Tommy sich anschließend zu einer Zusammenarbeit mit den Produzenten Ritchie Cordell und Bo Gentry. Eine Maßnahme, die ihm und seiner Truppe zwischen 1967 und 1968 insgesamt 8 Hitsingles in Folge und mit "I Think We’re Alone Now", "Mony Mony" und "Something Special" drei Platin-Alben einbrachte. Die zweite von Cordell und Gentry produzierte Single war "I Think We’re Alone Now". Sie erreichte Platz 4 und brachte Tommy ebenso überraschend wie zweifelhaft den Status eines Pioniers der kurz darauf in Mode kommenden Bubblegum Music ein. Es folgte der sagenhafte Erfolg "Crimson & Clover"Da die Nummer so erfolgreich war, machte man es sich bei dem Nachfolger "Mirage" relativ einfach, wobei Tom und seinem Produktionsteam ein Zufall in die Hände spielte: Bo Gentry legte eines Tages irrtümlich das Band von "I Think We’re Alone Now" falsch herum in die tape machine, so daß es von hinten nach vorne abgespielt wurde. Allen Anwesenden gefiel der dabei ertönende Groove aber derartig gut, daß man praktisch nur noch einen neuen Text schreiben mußte, um einen weiteren Top-10-Treffer zu haben. Wirkliche, aber leider vergebliche Pionierarbeit leisteten die Shondells auf einem anderen Sektor. Tommy: "Du wurdest als Musiker oder Band zu allen möglichen Fersehsendungen wie Talk Shows usw. eingeladen. Problematisch war es dann immer, deine Songs irgendwie auf hohem Niveau zu präsentieren. Ich fand es daher nur natürlich, einfach kleine Filme herzustellen, die mit der Musik der Künstler untermalt waren. Also produzierten wir für uns 4 dieser Streifen mit unseren Singles. Das Merkwürdige war aber, daß damals niemand sie senden wollte. Bis zur Zeit von Videos und MTV mußten eben noch 14 Jahre vergehen. Wir waren dem Geschehen noch zur sehr voraus. Also haben wir die Herstellung der Musikfilme nach diesen 4 Fehlversuchen wieder eingestellt.

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